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Kinderkrankheiten

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Kinderkrankheiten-Lexikon


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Fettleibigkeit/Fettsucht (Adipositas)

 

Fettleibigkeit, Fettsucht, Adipositas, dick, Übergewicht, Fett, Abnehmen, DiätVon Fettleibigkeit spricht man, wenn ein Patient so extrem übergewichtig ist, dass Folgekrankheiten zu befürchten sind oder diese schon aufgetreten sind. Um die Fettsucht/Fettleibigkeit von einfachem Übergewicht abzugrenzen, wird der Körpermasseindex (BMI) herangezogen.

Ursachen von Fettleibigkeit/Fettsucht (Adipositas)

In den allermeisten Fällen bildet sich eine Fettleibigkeit dadurch aus, dass dem Körper durch die Nahrungsaufnahme mehr Energie zugeführt wird, als er durch Arbeit und Bewegung verbraucht. Die überschüssige Energie, wird vom Körper dann als eine Art Reserve in Form von Fettgewebe gespeichert. Die Energiemenge, die in Nahrungsmitteln enthalten ist, wird in Kalorien beziehungsweise in Kilokalorien (kcal) angegeben.

Fettgehalt in Lebensmitteln

Fette enthalten mit großem Abstand die meisten Kalorien. So enthält ein Gramm Fett mit neun Kilokalorien mehr als doppelt so viel Energie wie dieselbe Menge Eiweiß oder Kohlenhydrate (je 4kcal/g). Zugleich haben sie einen geringeren Sättigungseffekt. Eine zu fettreiche Ernährung kann also leicht zur Ursache von Fettleibigkeit werden.

Bewegungsmangel

Der zweite wesentliche Grund für die Ausbreitung von Fettleibigkeit ist ein zunehmender Bewegungsmangel. Kinder und Jugendliche, die privat keinen Sport treiben, sondern lieber Fernsehen oder am Computer spielen, verbrauchen weniger Energie als körperlich aktive Altersgenossen. Erschwerend hinzu kommt, dass gerade Fernsehen zum Verzehr von Snacks wie Schokoriegel oder Chips anregt, die stark fett- und zuckerhaltig sind.

Primärerkrankung

In seltenen Fällen liegt der Fettleibigkeit auch eine Primärerkrankung zugrunde. Dies ist bei weniger als einem Prozent aller fettleibigen Kinder und Jugendlichen der Fall. So können eine Schilddrüsenunterfunktion oder hormonelle Störungen ursächlich für das extreme Übergewicht sein. Anzeichen für eine solche Grunderkrankung können Wachstumsstörungen oder eine sehr plötzliche und drastische Gewichtszunahme sein. Treten diese Anzeichen auf, sollte ein Kinderarzt aufgesucht werden.

Psychische Störungen

Auch psychische Krankheiten wie eine Essstörung oder Depressionen können Auslöser für Übergewicht sein oder dazu beitragen, dass ein Patient weiter zunimmt. Äußere Anzeichen für das Vorliegen einer solchen psychiatrischen Krankheit können unter anderem folgende sein:

• Verschlingen sehr großer Mengen auf einmal

• Schlafstörungen, Alpträume, Nachtangst, hohe Schreckhaftigkeit

• Ein häufig trauriger Gesichtsausdruck

• Häufige Kopf- und Bauchschmerzen scheinbar ohne zugrunde liegende medizinische Ursache

• Plötzlich schlechter werdende Schulleistung

• Drogenmissbrauch

• Aggressionen

• Schule schwänzen

Verbreitung von Fettleibigkeit/Fettsucht (Adipositas)

In nahezu allen Industrienationen nimmt die Anzahl fettleibiger Kinder und Jugendlicher zu. In Deutschland sind 6,3 Prozent aller Kinder und Jugendlichen zwischen drei und 17 Jahren von Fettleibigkeit betroffen. Relevante regionale oder geschlechtsspezifische Unterschiede gibt es nicht.

Symptome und Krankheitsverlauf von Fettleibigkeit/Fettsucht (Adipositas)

Fettleibigkeit hat ein einziges Symptom: krankhaft hohes Übergewicht. Derzeit ist in Deutschland etwa jedes fünfte Kind übergewichtig. Um festzustellen, ob das Übergewicht eines Kindes so extrem ist, dass man von Fettleibigkeit sprechen kann, muss der BMI des Kindes berechnet werden.

Diagnose

Ab einem BMI von 30 Kilogramm pro Quadratmeter wird nach Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von einer Fettleibigkeit, also einem krankhaften Übergewicht ausgegangen. Der BMI kann mit Hilfe einer einfachen Formel berechnet werden:

BMI = Gewicht in Kilogramm / (Größe in Meter)²

Beispielrechnung für ein Kind mit einer Körpergröße von 1,50 Metern und einem Gewicht von 70 Kilogramm:

BMI = 70 kg / 1,50 m x 1,50 m = 70 kg / 2,25 m² = 31,1 kg/m²

Das Kind in der Beispielrechnung hätte also einen BMI von 31,1 Kilogramm pro Quadratmeter, so dass bei ihm Fettleibigkeit zu diagnostizieren wäre.

Therapie

Spätestens wenn sich einfaches Übergewicht zu Fettleibigkeit auswächst, sollte das Gewicht reduziert werden. Dabei ist von Diäten, die in kürzester Zeit eine hohe Gewichtsreduktion versprechen abzuraten. Vielmehr sollte eine langfristig angelegte Veränderung der Lebensgewohnheiten hin zu mehr Bewegung und einem veränderten Essverhalten eingeleitet werden.

Viele Eltern fühlen sich bei der Begleitung ihres Kindes auf diesem oft steinigen Weg allerdings überfordert. Es gibt aber Schulungen, die sowohl die Eltern als auch die fettleibigen Kinder und Jugendliche professionell beraten können. Ein qualifiziertes Angebot erkennt man daran, dass der Unterricht auf eine Kombination aus Ernährungs-, Verhaltens- und Bewegungskurs setzt und die Eltern mit eingebunden werden.
Folgen von Fettleibigkeit/Fettsucht (Adipositas)

Die Mehrheitsgesellschaft bewertet extremes Übergewicht als Folge von Bequemlichkeit und mangelnder Willenskraft und straft Fettleibige daher oft mit Ausgrenzung und sozialer Isolation. Experimente haben gezeigt, dass schon Kindergartenkinder ein negatives Bild von Übergewicht verinnerlicht haben: Zeigte man ihnen Bilder normalgewichtiger, fettleibiger und behinderter Altersgenossen, so äußerten sie, dass sie mit den fettleibigen Kindern am wenigsten gern befreundet wären. Man mag diese gesellschaftliche Bewertung für borniert halten, sie ist jedoch eine Realität, die sicherlich schwerer zu ändern ist, als das eigene Gewicht.

Gerade Kinder und Jugendliche leiden psychisch oft sehr stark unter ihrer Fettleibigkeit. Sie sind charakterlich in der Regel weniger gefestigt als Erwachsene und nehmen sich Schmähungen und Kränkungen Anderer daher stärker zu Herzen. So haben fettleibige Kinder ganz oft ein vermindertes Selbstwertgefühl.

Neben dem psychischen Leidensdruck, den fettleibige Kinder auszuhalten haben, sind auch die gesundheitlchen Folgen gravierend, wenn dem Übergewicht nicht entgegengewirkt wird. Schon im Kindes- und Jugendalter kann es zu zum Teil schweren Herz-Kreislaufstörungen kommen oder sich eine Altersdiabetes entwickeln. Zudem verschleißen die Gelenke schneller, so dass es zu Arthrose kommen kann.

Auch wenn diese drastischen Folgeerkrankungen in jungen Jahren noch eher die Ausnahme sind, kündigen sie sich hier oft schon in Form von Bluthochdruck und Stoffwechselstörungen an. Orthopädische Probleme und Hautinfektionen in den Hautfalten sind ebenfalls oft schon in jungen Jahren zu beobachten.

Schutz vor Fettleibigkeit/Fettsucht (Adipositas)

Damit Kinder gar nicht erst übergewichtig werden, bedarf es im Normalfall nicht viel. Eine ausgewogene, fett- und zuckerarme Ernährung reichen meist schon aus. Verzichten Sie auf allzu viele Süßigkeiten und fettige Snacks wie Fastfood oder Kartoffelchips oder setzen Sie Grenzen. Hauptgetränk der Familie sollte nicht Limonade, fertiger Eistee oder ein Fruchtsaftgetränk sein. Besser sind aromatisiertes Mineralwasser, Säfte mit 100 Prozent Fruchtgehalt oder Saftschorlen.

Im Normalfall sorgt der natürliche Bewegungsdrang eines Kindes für ausreichend Bewegung. Allerdings haben Fernseher und Computer eine hohe Anziehungskraft. Arbeiten Sie auch hier mit klaren Konsumgrenzen und setzen Sie diese auch durch, wenn es unbequem ist. So entziehen sie ihr Kind auch dem negativen Einfluss des Werbefernsehens.

 


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