Auch wenn der Begriff Blinddarmentzündung im allgemeinen Sprachgebrauch vorherrscht, so ist er doch irreführend. Denn eigentlich ist nicht der gesamte Blinddarm entzündet, sondern lediglich sein Wurmfortsatz (Appendix vermiformis). Blinddarmentzündungen äußern sich durch Schmerzen im Nabelbereich des Bauches oder auch in oberen Bauchpartien. Im weiteren Krankheitsverlauf verlagern sich die Schmerzen in den rechten Unterbauch. Ohne Behandlung droht ein Blinddarmdurchbruch, der lebensbedrohlich sein kann.
Der Wurmfortsatz des Blinddarms hat seinen Namen daher, dass er wie ein Wurm am Blinddarm hängt. Der Blinddarm selbst gehört zum Dickdarm, welcher einen Durchmesser von etwa 10 Zentimetern hat. Im Gegensatz dazu ist der Wurmfortsatz mit nur einem Zentimeter Durchmesser viel dünner und enger.
Wegen dieser Enge kann es an der Mündung zum Blinddarm leicht zu mechanischen Verschlüssen kommen. Alte Narben und Verwachsungen können solche Verschlüsse genauso auslösen, wie Kotsteine oder verschluckte Kirschkerne. Auch durch andere Krankheiten wie beispielsweise Masern, Darm- und Mandelentzündungen, Grippe oder Scharlach kann es zu einem solchen Verschluss kommen. Bakterien wandern in den Wurmfortsatz des Blinddarms und lösen dort ein Anschwellen des Gewebes aus. Es bildet sich ein Sekretstau mit hoher Bakterien-Konzentration. Die Bakterien sorgen schließlich für die Entzündung des Wurmfortsatzes.
Im Laufe von 12 bis 24 Stunden entwickelt der Patient zunächst Schmerzen im Nabelbereich oder auch darüber. Innerhalb weniger Stunden verlagern sich diese Schmerzen in den rechten Unterbauch und gehen mit starker Übelkeit oder auch Erbrechen einher.
Gerade bei Kindern äußert sich eine beginnende Blinddarmentzündung durch Fieber, Durchfall, Appetitlosigkeit und ein schlechteres Allgemeinbefinden. Bei einer rektalen Untersuchung durch den Arzt fällt häufig ein Druckschmerz auf.
In dieser Reinform werden Blinddarmentzündungen leider recht selten beobachtet. In der Praxis weicht die Symptomatik fast immer vom klassischen Krankheitsverlauf ab. Selbst für erfahrene Ärzte ist es deshalb oft nicht leicht, die richtige Diagnose zu stellen. Zumal die Symptome denen einer Magen-Darm-Grippe, einer Gallenkolik und mehrerer anderer Krankheiten sehr ähnlich sind.
Die wichtigste und häufigste Komplikation einer Blinddarmentzündung ist der Durchbruch. Wird mit einer Behandlung zu lange gewartet, nimmt der Sekretstau zu und der Druck erhöht sich bis zum Durchbruch. Das bakteriell belastete, eitrige Sekret gelangt so in die freie Bauchhöhle. Passiert dies, so ist das Leben des Patienten akut in Gefahr und es muss schnellstens operiert werden.
Ein Durchbruch kann sich für den Patienten zunächst dadurch äußern, dass eine Linderung der Beschwerden verspürt wird. Grund ist die Reduzierung des Drucks, den der Sekretstau vor seinem Durchbruch ausgeübt hat. Die Schmerzen nehmen aber schnell wieder zu und gewinnen an Heftigkeit.
Um eine Blinddarmentzündung zu kurieren, bedarf es in der Regel einer Operation, bei der der entzündetet Wurmfortsatz entfernt wird (Appendektomie). Ärzte raten zu diesem Schritt immer dann, wenn wegen entsprechender Symptomatik einen Blinddarmentzündung in Frage kommt und sich der Zustand des Patienten mehrere Stunden lang nicht bessert beziehungsweise sich so verändert, dass die Blinddarmentzündung ausgeschlossen werden kann.
Bei der Operation macht der Chirurg einen wenige Zentimeter langen Schnitt durch die Bauchdecke des rechten Unterbauchs und entfernt durch diese Öffnung den Wurmfortsatz. Bei nicht eindeutigem Befund oder auch stark übergewichtigen Patienten kann ein größerer Schnitt längs der Mitte des Unterbauchs erforderlich sein, damit der Operateur eine größere Übersicht hat. In einigen Fällen ist auch die Entfernung des Wurmfortsatzes mit Hilfe eines Laparoskops möglich (laparoskopische Appendektomie). Hier bleibt nur eine ganz kleine, kaum wahrnehmbare Narbe zurück. Bei akuten Blinddarmentzündungen entscheiden sich aber die meisten Chirurgen gegen die Operationsmethode.
Selten, und nur bei leichteren Entzündungen, kann auch eine andere Therapie erfolgreich sein. Hier muss der Patient Bettruhe halten, darf nichts essen und erhält starke Antibiotika. Blutbild und Bauch des Patienten müssen dabei ständig auf eine Verstärkung der Entzündungszeichen hin untersucht werden, um das Risiko eines Durchbruchs zu vermeiden.