Fallbeispiel ADHSDer 9-jährige Andreas wird in der Kinderambulanz wegen ständiger disziplinarischer Probleme in der Schule vorgestellt. Er gehe in die dritte Klasse, könne nicht sitzen bleiben und laufe deshalb ständig in der Klasse herum. Er melde sich fast nie, rufe häufig dazwischen und müsse auch wegen seines Schwätzens dauernd ermahnt werden. In den Pausen komme es immer wieder zu Prügeleien.
Zu Hause sei Andreas ebenfalls extrem anstrengend, die Hausaufgaben würden sich unter großen Streitereien meist über den ganzen Nachmittag hinziehen. Er habe auch viele Konflikte mit seinen Geschwistern, weil er ihnen auf die Nerven gehe und immer wieder Dinge von ihnen zerstöre, teils aus Versehen, teils im Impuls mit Absicht.
Die ADHS ist gekennzeichnet durch eine extreme motorische (bewegungsbezogene) Unruhe und Getriebenheit, die in vielen Situationen auftritt, z.B. in Form von herumlaufen, reden, lärmen und zappeln. Daneben zeigen die Betroffenen eine gestörte Aufmerksamkeit in Form von extrem leichter Ablenkbarkeit, geringer Konzentrationsfähigkeit und häufigem Wechsel der Tätigkeit. Dazu kommt eine gestörte Impulskontrolle, d.h., die Kinder können sich in jeder Hinsicht schwer "zusammenreißen" und haben eine geringe Frustrationstoleranz.
Die Symptome beginnen in den ersten fünf Lebensjahren. Bei rund einem Drittel besteht die Störung auch noch im Erwachsenenalter fort. Durch die Unaufmerksamkeit kommt es relativ häufig zu Gefährdungen und Unfällen, außerdem bekommen die betroffenen Kinder häufig soziale Probleme, da sie in Konflikten mit Mitschülern, Lehrern etc. geraten. Im Jugendalter verringert sich meistens die motorische Unruhe, während die erhöhte Impulsivität und verringerte Aufmerksamkeit bestehen bleiben, so dass das Risiko für Drogenkonsum, Verkehrsunfälle und Delinquenz erhöht ist.
Etwa drei bis fünf Prozent aller Kinder sind betroffen, wobei Jungen etwa drei- bis achtmal so häufig an ADHS leiden wie Mädchen.
Die Herkunft der Störung ist nicht ganz klar. Neben genetischen Faktoren spielen möglicherweise Geburtskomplikationen und Veränderungen im Gehirnstoffwechsel eine Rolle.
Therapiert wird die ADHS zum Einen durch einen konsequenten Erziehungsstil und entsprechende pädagogische Maßnahmen. Daneben kommen häufig Medikamente mit dem Wirkstoff Methylphenidat, wie zum Beipiel Ritalin zur Anwendung. Dies wird von schulmedizinischer Seite aktuell als effektivste Behandlungsmethode betrachtet.